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Der "Stein
des Guten Glücks" oder "Altar der Agathe
Tyche" - so heißt das Denkmal, das Johann Wolfgang
von Goethe zu Beginn des Jahres 1777 in den Ilmwiesen zu Weimar
setzen ließ.
Seine Form war denkbar einfach: eine Kugel, die auf einem mächtigen
Quader sitzt. Hier, ganz in der Nähe seines damaligen Wohnhauses,
dem Gartenhaus, steht das Denkmal noch heute. Für den 28-jährigen
Goethe hatte es eine ganz persönliche Bedeutung: Er war ein Jahr
zuvor von Frankfurt nach Weimar berufen worden und hatte hier eine wunderbare
Frau kennengelernt: Charlotte von Stein.
Eine "Seelenfreundin", die auf sein schwankendes, unruhiges
Temperament einen besänftigenden, mäßigenden Einfluß
ausübte. Die ihn, der sich "wie ein Ball, den eine Stunde der
anderen zuwirft", fühlte, zur Ruhe und Klarheit anhielt. Das
Denkmal war ein Geburtstagsgeschenk für Frau von Stein.
Seine Bedeutung
erklärt sich durch die Widmung an "Agathe Tyche", die Göttin
des Zufalls, die in der Antike häufig als Beschützerin des Glücks
einer Stadt verehrt wurde.
Tyche ist hier jedoch nicht als Person dargestellt: Goethe wählt
für sein Denkmal eine explizit symbolische Formensprache. Sie geht
auf Sinnbilder zurück, die schon seit der Renaissance bekannt waren.
Danach verkörpert der solide, steinerne Block Stabilität und
Beständigkeit, auch die Unbestechlichkeit der Justizia. Die Kugel
dagegen gehört zu dem Bereich des launischen Glücks, der Labilität,
der ruhelosen Bewegung. Werden diese beiden gegensätzlichen Elemente
miteinander kombiniert, so heben sie sich nicht etwa gegenseitig auf:
Nein, sie verstärken einander und erzeugen so ein Gebilde mit einer
neuen - doppelsinnigen - inhaltlichen Aussage. Die einander widerstrebenden
Kräfte streben jetzt nach Ausgleich. Für Goethe bedeutet dies:
Überwindung der jugendlichen Leidenschaft, der ungezügelten
Emotionalität und "Streben nach Reinheit" und Ordnung:
Und dies, ohne dass er seine kreative Freiheit aufgeben musste. Das Denkmal
wird ihm zum Stabilistator. Es sollte ihn täglich an das erinnern,
was ihm Charlotte von Stein vermittelt hatte: "Dieser schöne
Begriff von Macht und Schranken, von Willkür / Und Gesetz, von Freiheit
und Maß, von beweglicher Ordnung, Vorzug und Mangel erfreue dich
hoch".
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